Nordnorwegen 2020 – ein erstes Fazit

Wie bei unseren längeren Reisen üblich, wird es wieder einen ausführlichen Reisebericht mit Tagesbeschreibungen geben. Da das allerdings immer einige Zeit in Anspruch nimmt, kommt hier schon mal vorab ein erstes Fazit unserer letzten Reise.

(mittlerweile ist auch der ausführliche Reisebericht gestartet -> hier)

Reiseroute / Reiselänge / Reiseidee

Seit 2017 waren wir nun schon vier mal in Skandinavien und spätestens bei unserer Winterreise 2019 auf die Lofoten (mit Mietwagen/Ferienwohnung), ist der starke Wunsch in uns gereift, den Norden Norwegens auch mit unserem eigenen Camper zu erkunden.

Das Nordkap selbst reizte uns nicht sonderlich, aber die Lofoten standen ganz oben auf der „Must-See-List“. Wenn wir aber schon diesen weiten Weg in Angriff nehmen würden, dann wollten wir es nur tun, wenn wir auch ausreichend Zeit haben. Zum einen für die Lofoten, aber eben auch für Ziele wie die Vesteralen, die Insel Senja, Tromso und das Umland von Tromso. Deshalb war schnell klar, wir brauchen mindestens fünf Wochen Zeit, besser mehr.

Als Reisezeit stand der Herbst recht schnell fest. Wettermäßig ist er zwar nicht so stabil, aber wir wollten unbedingt so fahren, dass wir eine Chance auf Polarlicht haben und auch nicht in der Hauptsaison. Nordnorwegen in Herbstfarben stellten wir uns sehr reizvoll vor.

Eigentlich war die Idee, schnell über Schweden nach Norden zu fahren und sich dann oben alles in Ruhe anzuschauen. Rückfahrt sollte dann je nach Wetter (Oktober) über Norwegen oder Schweden erfolgen. Schwerpunkt also ganz klar auf dem Norden, nicht auf dem Weg dorthin.

Wir buchten uns deshalb schon viele Monate im Voraus die Fähre Kiel-Göteborg für den schnellen Start für den 06.09.2020.

 

Was Corona aus unserer Reiseidee machte

Am Ende kam es alles anders. Corona hat diese Reise zwischendurch fast platzen lassen. Norwegen hatte lange die Grenzen komplett zu und erst Mitte Juli überraschend geöffnet. Der Anreiseweg über Schweden war jedoch untersagt. Das hieß für uns, dass wir die Schwedenfähre stornierten und uns für Anfang September eine Fähre von Hirtshals nach Larvik buchten und damit den Anreiseweg über Norwegen wählten.

Im August verdichteten sich dann die Anzeichen, dass Norwegen  die Grenzen für Deutsche wieder schließt, gemeint ist die quarantänefreie Einreise. Für viele andere europäische Staaten hatte Norwegen das aufgrund der steigenden Coronazahlen auch schon getan. Das hieß für uns – auf den Urlaub verzichten oder umplanen und nach vorn ziehen. Zum Glück konnten wir mit unserer Arbeitsstelle arrangieren, den Urlaub nach vorn zu ziehen, also wurde die Fähre umgebucht, die steigenden Coronazahlen mit großem Bangen verfolgt und gehofft, dass wir ausreichend weit nach vorn verlegt hatten.

So war es auch – am 27.08. überquerten wir die Grenze von Dänemark nach Norwegen. Am 28.08. schloss Norwegen um Mitternacht die Grenze für Deutsche. Bei unserer Abfahrt in Deutschland am 25.08. war allerdings noch nicht ganz klar, ob es für uns reichen würde. Das war wirklich ein ganz schöner Krimi.

 

So ergab sich folgende Route, die wir gefahren sind:

  • Anreise: Deutschland – Hirtshals (Dänemark) – Larvik (Norwegen)
  • Anreise in Norwegen: Telemark, Rondane-NP, Trondheim
  • Schwerpunkt Nordnorwegen:
    • Küstenweg RV17 von Bronnoysund nach Bodo
    • Lofoten (3 Tage)
    • Senja
    • Lyngenalpen
    • Tromso + Kvaloya / Sommaroy
    • Lofoten (13 Tage)
  • Abreise über Schweden:
    • Abisko-Nationalpark
    • Inlandsvegen E45
    • Fähre Göteborg-Kiel

 

Das ergab am Ende insgesamt 8.130 km und 43 Tage, also ziemlich genau 6 Wochen Reisezeit.

 

Wetter

Wir hatten ehrlich gesagt mit allem gerechnet und es war dann auch von allem was dabei. Oft hatten wir einen Mix aus Sonnen- und Regenstunden (oft beides an einem Tag). Richtig gutes Wetter hatten wir auf dem Küstenwegen. Wir planten unsere Tour spontan ein bisschen um das Wetter herum, um die Schönwetter-Tage möglichst an besonders schönen Orten zu haben und so z.B. auch Wanderungen unternehmen zu können.

Tage, die mit Sonne begannen, endeten aber nicht selten im Regen und umgekehrt. Man musste also immer auf Alles eingestellt sein. Die Temperaturen gingen anfangs Woche für Woche nach unten. Einstellige Temperaturen über Tag waren also nicht ungewöhnlich. Frostnächte blieben uns aber zum Glück erspart.

Ganz heftig wurden wir von mehreren Stürmen auf den Lofoten erwischt. Sie brachten nicht nur Unmengen an Regen, sondern auch stundenlangen sehr heftigen, orkanartigen Wind. Das war eine Erfahrung, auf die wir gern verzichtet hätten. Dass wir den einen oder anderen Herbststurm erleben würden, war uns eigentlich klar, aber dass sie so heftig ausfallen und man quasi hilflos dem Ganzen ausgeliefert ist, hat uns dann doch überrascht.

Am Ende wurde es auf den Lofoten nochmal richtig schön und sonnig und für Anfang Oktober wurde fast spätsommerlich schönes Wetter angesagt. Allerdings mussten wir zu diesem Zeitpunkt dann leider unsere Rückreise antreten.

Schnee gab es zum Glück nicht, obwohl wir damit fest gerechnet hatten.

 

Straßen & Fähren

Die Straßen Norwegens sind bekanntermaßen recht eng.  Allerdings war es auf unserer Route an vielen Stellen dann doch recht entspannt, insbesondere auf den größeren Straßen wie E6 in Norwegen oder E45 in Schweden. Da geht’s in Fjordnorwegen enger zu.

Wir hatten wieder mal etliche Tunnel auf unserer Route. Nervenaufreibend waren sie besonders auf Senja. Dort sind sie sehr eng, dunkel und nicht selten mit Schlaglöchern durchsät. Gegenverkehr treibt einen da schon mal die Schweißperlen auf die Stirn.

Wir hatten uns im Vorfeld bei Autopass angemeldet und unser Autokennzeichen registriert. Dadurch haben wir einiges an Mautgebühren sparen können. Insgesamt waren wir aber gar nicht auf so vielen Mautstraßen unterwegs, eigentlich fast nur am Anfang im Süden Norwegens.

Wir hatten diesmal recht viele Fähren auf unserer Strecke. Zum einen die größeren Fähren für An- und Abreise:

  • Colorline Hirtshals – Larvik
  • Stenaline Göteborg – Kiel

Aber auch unterwegs nutzten wir diverse Fähren auf den Weg in den Norden:

  • 6 Fähren auf dem Küstenwegen
  • Bodo-Moskenes um auf die Lofoten zu kommen

Die Fähren zwischen den Lofoten/Vesteralen und Senja und zwischen Senja und Tromso konnten wir hingegen leider nicht nutzen, da diese nur in den Sommermonaten bis zum 31.08. betrieben werden. Das wussten wir auch im Vorfeld und mussten deshalb an diesen Stellen den deutlich längeren Landweg nutzen.

Wir hatten uns im Vorfeld über Ferjekort angemeldet und mit Autopass verlinkt. Dadurch konnten wir 50% der Fährkosten auf den Inlandsfähren einsparen.

 

Landschaft

Die Landschaft in Nordnorwegen ist einfach atemberaubend schön. Schon der Weg nach Norden über den Küstenwegen war sehr beeindruckend. Aber das Ganze wurde oben nochmal übertroffen. Dieser Mix aus Fjorden, Seen, Bergketten und dem zu unserer Reisezeit immer zunehmenden Herbstlaub war einfach der Hammer. Anstatt weitere Worte zu verlieren, hier eine kleine Bildauswahl:

 

Wandern

Wie immer sollte das Wandern auf unserer Reise neben dem Fotografieren eine der Hauptbeschäftigungen sein. Wir hatten uns bereits auf dem Anfahrtsweg kleinere Wanderstopps eingeplant, so z.B. den Berg Muen im Rondane Nationalpark oder auch den Torghatten am südlichen Küstenwegen.

Mehrere Wanderungen gab es dann jeweils auf Senja, in den Lyngen-Alpen und auf den Lofoten. Auch in Schweden im Abisko Nationalpark wurden nochmal die Stiefel geschnürt. Wie auch schon auf anderen Reisen vorher erfahren, sind die Wanderungen in Norwegen oft recht anspruchsvoll. Meistens gehts auf den Touren steil hoch und wieder steil herunter und das nicht selten bei Wind und Regen, was die Touren nicht nur konditionell herausfordernd macht. Belohnt wird man dafür mit oft spektakulären Ausblicken und einer unglaublich landschaftlichen Vielfalt.

Besonders gefallen haben uns die Touren zum Steindalsbreen (ein Gletscher in den Lyngen-Alpen), dem Berg Ryten und der Kvalvika Bucht (auf den Lofoten) und die Besteigung der Berge Husfjellet und Hesten (auf Senja).

Camping

Camping in Skandinavien haben wir schon auf unseren vergangenen Reisen als unkompliziert empfunden. Im Norden Norwegens war es nochmal entspannter, da es neben den vielen oft leeren Campingplätzen auch nie ein Problem war, idyllische Plätze zum Freistehen zu finden.

Außerdem waren all unsere Übernachtungsplätze – egal, ob Campingplatz, Stellplatz, Wanderparkplatz oder Boondockingplatz – wunderbar idyllisch gelegen, meistens direkt an irgendeinem Wasser (Fluß, See, Fjord…).

Unsere Campingerfahrung und Beschreibung der Übernachtungsplätze sind im Detail in einem eigenen Beitrag nachzulesen. (hier).

Polarlicht

Das Nordlicht war für uns einer der Gründe, warum wir den Reisezeitraum Herbst gewählt hatten. Als wir unseren Urlaub dann Corona-bedingt einige Tage nach vorn ziehen mussten, waren wir skeptisch, ob uns dadurch nicht die Chance auf Polarlicht genommen wird. Aber unsere Sorge war unbegründet. Bereits Ende August konnten wir mitten in der Nacht ca. 200km nördlich von Trondheim unser erstes Polarlicht bewundern. Zu der Zeit gab es allerdings noch keine astronomische Dämmerung und daher nur ein kleines Fenster pro Nacht, wo es überhaupt ausreichend dunkel war.

Später auf der Reise hatten wir rund um Tromso und auf den Lofoten dann noch öfter das Glück, das Schauspiel am Himmel zu bewundern. Auch in Schweden im Abisko NP kamen wir in den Genuss des Nordlichts.

Unsere lange Reisezeit kam uns hier sehr entgegen. Denn neben einem möglichst hohem KP-Wert braucht es natürlich einen möglichst wolkenfreien Himmel. Auch der Übernachtungsplatz will gut gewählt sein, damit es zum einen ein schönes Vordergrundmotiv gibt und die Lichtverschmutzung möglichst gering ist. Campingplätze sind daher nur bedingt geeignet.

hilfreiche Apps

Während unserer Tour waren die folgenden Apps für uns besonders hilfreich:

 

Norwegen & Corona

Wie Corona unsere Reisepläne durchkreuzt hat, habe ich oben bereits geschrieben. In Norwegen selbst hat man von Corona relativ wenig gespürt. Es stand zwar an jedem Geschäft ein Desinfektionsspender und Zettel, dass man auf Abstand achten soll. Viel mehr hat man aber nicht gemerkt. Mund-Nasen-Schutz trug niemand und auffällig Distanz wurde in den Geschäften nicht gehalten. Auch in den Restaurants lief es fast so ab wie früher. Trotzdem haben wir uns eigentlich nie unsicher gefühlt. Norwegen hat halt eine deutlich niedrigere Bevölkerungsdichte als Deutschland und andere europäische Länder. Das macht die Ansteckungsgefahr dann eben auch geringer. Außerdem waren die norwegischen Corona-Hotspots eher im Süden in Oslo oder Bergen. Vielleicht wäre es dort anders gewesen.

Aber auch auf der Fähre fühlten wir uns sicher. Auf den größeren Fähren war es z.B, so, dass man die Leute etappenweise zurück auf die Parkdecks geschickt hat, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Wir hatten auch das Gefühl, dass sie nicht so richtig voll waren.

10 Kommentare

  1. Angelika De Turris

    Hallo ihr zwei, schön das es los geht mit dem berichten….unsere Planung schreitet voran und da ihr ja so viel gesehen und erlebt habt, bin ich schon sehr neugierig. Da werden für uns sicher noch ein paar tolle Tips dabei sein. Ich freue mich 🙂

    Liebe Grüße,
    Angelika und Ulli

    • Hallo ihr zwei,
      Das freut uns, dass ihr unsere Erlebnisse verfolgt. Bald geht auch der richtige Reisebericht los. Da findet ihr bestimmt etwas für eure Tour. Wenn es nach uns geht, könnten wir auch wieder sofort los.
      LG, Ulli + Eric

  2. Hey ihr beiden, es freut uns sehr, dass ihr eure Reise trotz Corona durchführen konntet. Wir geben zu, wir sind ein bisschen wehmütig, weil bei uns dieses Jahr sowohl Corona als auch eine dringend notwendige OP alle Reisepläne zunichte machte und wir im Moment einfach hoffen, dass wir nächstes Jahr fit sind und wieder mit dem Camper los können. Wir reisen aber von der Couch aus sehr gerne mit euch und freuen uns auf die Berichte und Fotos 😊 LG, Heike & Tom

    • Hallo ihr zwei,

      schön, dass ihr auf unserer Seite vorbeischaut. Ja, da hatten wir schon großes Glück, dass diese Reise dieses Jahr überhaupt so stattfinden konnte. Zwischendurch haben wir fast den Glauben daran verloren. Dafür mussten wir schweren Herzens auf unsere Namibiatour im Mai verzichten, haben es um ein Jahr geschoben. Wir drücken euch (und uns) die Daumen, dass wir bald alle wieder unsere Reiseträume verwirklichen können und die schwierige Zeit irgendwann wieder vorbei ist. Liebe Grüße, Ulli

  3. Hallo ihr zwei,
    da schau ich mal bei den dezembercampern vorbei und tara.. der Norwegenbericht geht los. Ich bin natürlich dabei und freue mich auf viele schöne Fotos und Erlebnisse.
    Liebe Grüße
    Sonja

  4. Hallo Sonja,
    schön, dass du auch dabei bist. Der ausführliche Reisebericht ist mittlerweile auch schon gestartet, wird sich aber sicher noch einige Wochen hinzuziehen 😉 Bei 6 Wochen Reisezeit…

    Liebe Grüße, Ulli

  5. Servus Ulli und Eric,

    schwer beeindruckende Fotos Eurer Norwegenreise. Eigentlich wären wir auch ungefähr zu dieser Zeit in Nordnorwegen gewesen. Will ich doch endlich auch die Nordlichter auf meinen Sensor bannen.
    Auf die Lyngenalpen bin ich schon sehr gespannt, kenne ich doch von dieser Gegend noch fast gar nichts.

    Liebe Grüße
    Micha

    • Hallo Micha,
      das freut uns, dass du auch noch dazugestiegen bist. Die Lyngenalpen hatte ich schon länger auf der Wunschliste, aber wir dachten zunächst, dass dafür die Zeit nicht reichen wird. Als klar war, dass wir über 6 Wochen Zeit haben werden, kamen sie wieder auf den Plan und das war auch gut so. Wirklich toll dort!
      Schade, dass ihr eure Norwegenpläne dieses Jahr nicht umsetzen konntet. Hoffentlich dann im nächsten Herbst.

      Liebe Grüße, Ulli

  6. Liebe Ulli, lieber Eric,
    wun-der-schöne Bilder😍!! Eure lange Reisezeit ist absolut beneidenswert. Vor der Rente werden wir sowas nie machen können. Es sei euch von Herzen gegönnt!
    Euren Reisebericht werde ich ganz sicher verfolgen. Nicht zuletzt wegen eurer Wahnsinns-Bilder!
    Grüßle nach Hessen😘

    • Liebe Elli,

      wir sind wirklich froh, dass wir auch als “Nicht-Renter” solche langen Reisen unternehmen können – zumindest ab und zu. Wir haben das wirklich extrem genossen, ohne Zeitdruck uns dort oben treiben zu lassen. (obwohl – ich schreibe gerade an Tag 8-9 – da passt die Beschreibung “ohne Zeitdruck” nicht wirklich 😉 ). Freut uns, dass du unsere Reiseerlebnisse hier verfolgst. Vielleicht finden sich dabei ein paar Tipps für eine kommende Tour bei euch. Danke für das tolle Bilderkompliment 🙂

      Liebe Grüße, Ulli

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