Tag 20 & 21: Wanderung “Sentier Blanc-Martel” und Rückreise nach Deutschland


29.05.2019 (Mi) – Über den “Sentier Blanc-Martel” zu Fuß durch die Verdonschlucht

Campingplatz StartCamping Municipal - le Grand Canyon, La Palud
Campingplatz ZielLe Camping Domaine des 2 Soleils, Serres
gefahrene Kilometer164
Highlights / WanderungVerdonschlucht
Sentier Blanc-Martel vom Chalet de la Matin zum Point de Sublime (ca. 17km)
Wettersonnig und sehr warm, abends windig

Im Vorfeld hatten wir uns reichlich Gedanken über die Wanderung in der Verdonschlucht gemacht, im Internet wird der Sentier Martel mal als Kinderspiel dargestellt, mal als Wanderung, die man nur schwindelfrei und mit alpiner Erfahrung angehen sollte. Immer wieder fanden wir aber den Hinweis, dass der Sentier Martel der eindrucksvollste Weg ist, die Verdonschlucht zu erkunden. Das wollten wir nicht verpassen.

Etwas erschwert wird die Planung dadurch, dass die Wanderung ziemlich lang ist und deswegen eigentlich nur als One-Way-Tour machbar, d.h. man braucht einen Plan für den Rückweg. Der Shuttlebus fährt im Mai nur am Wochenende, das ging also auch nicht. Also einer der Wege mit dem Taxi. Wir hatten am Vortag mit einem Taxifahrer telefoniert, wollten uns morgens zum Ausgangspunkt bringen lassen und dann zu unserem Camper zurücklaufen. Der Taxifahrer hatte aber morgens keine Zeit, also mit dem Camper zum Trailhead und vielleicht später mit dem Taxi zurück. Es blieb die Frage: Wandern von Ost nach West oder von West nach Ost?

Auch hier bietet das Internet reichlich Informationen darüber, an welchem Trailhead die Chance größer sein könnte, sein Auto nach der Wanderung aufgebrochen und ausgeräumt wieder zu sehen, wir entschieden uns dafür, am Chalet de la Maline zu parken und später dorthin zurückzukehren. Zwar ist es hier einsamer als am Point Sublime, andererseits müssen die Autodiebe hier umdrehen und zu ihrem Ausgangspunkt zurückfahren. Vielleicht würde ich das als Dieb nicht machen wollen?

Wir machten uns früh gegen 7:15 und ohne Frühstück auf den Weg zum Chalet de la Maline, hatten am Vorabend schon gesehen, dass es dort nicht übermäßig viele Parkmöglichkeiten gab, schon gar nicht für 6m-Kastenwagen. Gegen 7:40 kamen wir an, Parken war kein Problem, es standen nur ein paar weitere Autos da, teilweise mit verschlafenen Insassen, die wohl die Nacht dort verbracht hatten.

Jetzt konnten wir es ruhiger angehen lassen, frühstückten erstmal, packten unsere Rucksäcke, Sonnencreme war angesagt, irgendwann wurden die Wanderstiefel geschnürt.
Gegen 8:45 machten wir uns dann auf den Weg, direkt hinter dem Chalet de la Maline geht’s über einen gut gekennzeichneten Wanderweg hinunter in die Schlucht, der Abstieg ist recht moderat. Trotzdem kamen schnell ein paar Höhenmeter nach unten zusammen, unser (gut verschlossener Camper) an der Schluchtkante war noch lange sichtbar.

Mit uns waren nur noch ein paar wenige Wanderer unterwegs. Der Weg ließ sich gut laufen, noch war es auch schattig und eher kühl. Schön abwechslungsreich war der Weg, mal durch den Wald, mal über Steintreppen, mal näher am Verdon, mal weiter weg.

Irgendwann erreichten wir die bekannte und berüchtigte Stahltreppe Brèche Imbert. Sechs Treppen mit insgesamt 252 Stufen führen in die Tiefe, das war schon sehr beeindruckend. Die Treppe wird im Internet teilweise als schwierig beschrieben, für uns ging’s gut. Sonnenschein, das Metall war völlig trocken, kein Gegenverkehr, wir konnten einfach runtergehen.

Abwechslungsreich ging es weiter durch die herrliche Landschaft – der Verdon war meistens noch ein ganzes Stück weiter unten – eigentlich schade, wir hatten gehofft, irgendwann mal direkt am Wasser eine Pause machen zu können. Hier und da gab es eine seilversicherte Stelle, schwierig war der Weg aber nicht.

Allmählich kamen uns immer mehr Leute entgegen – wir näherten uns spürbar dem “Point Sublime”, dem anderen Ende der Tour. Scheinbar gibt es viele Leute, die nur einen Teil des Weges gehen und dann umdrehen, jedenfalls kamen uns eine ganze Menge Wanderer ohne Ausrüstung entgegen, für die die Wanderung bis zum Chalet de la Maline sicher zu weit gewesen wäre. Dann kamen die beiden Steintunnel, über die wir im Vorfeld gelesen hatten, der Tunnel de Trescaïre mit 110m Länge, später dann der Tunnel du Baou mit 670 Metern Länge. Die Tunnel waren wie angekündigt stockduster, teilweise gab es große Pfützen, wir hatten vorsorglich Stirmlampen dabei und konnten die Tunnel ohne Probleme durchqueren.

Hinter den Tunneln geht es über eine Eisentreppe hinunter zum Ufer – zum Couloir Samson – endlich konnten wir den Verdon aus direkter Nähe erleben. Hier war es richtig voll, die meisten Besucher kamen vom nahe gelegenen Parkplatz oder waren vom Point Sublime hinuntergewandert.

Vom Parkplatz in der Nähe brauchten wir noch ungefähr eine halbe Stunde bis zum Point Sublime, dem östlichen Ende des Sentier Martel. Zwischendurch gab’s noch eine Stelle, die fast ein bisschen Klettern erforderte, so zog sich das letzte Stück ein bisschen in die Länge.

Dn Point Sublime erreichten wir gegen 13:45, viel früher als erwartet. Wir schauten uns ein bisschen um, riefen dann wie vereinbart den Taxifahrer an, der uns aber leider erst gegen 15:30 hätte einsammeln können. So lange wollten wir nicht warten, also entschieden wir uns, es per Anhalter zu versuchen. Da wurden Jugenderinnerungen wach.

Eine ganze Weile ging gar nichts, eher gesetzte deutsche und französische Touristen schauten uns interessiert an, während sie an uns vorbeifuhren. Auch ein zwischenzeitlicher Klamottenwechsel brachte erstmal keine Besserung, nach ca. einer halben Stunde hielt ein Auto an. Ein sehr nettes ungarisches Paar nahm uns mit bis nach La Palud, das war schon mal klasse. Dort gingen wir ein Stück zu Fuß und hielten nur mal kurz den Daumen raus, schon hielt ein alter VW-Bus mit jungen französischen Kletterern an, die uns ein Stück mitnahmen, bis sie ihren Kletterspot erreicht hatten. Für das letzte Stück fanden wir ein junges französisches Paar in einem älteren 5er BMW, sie sehr hübsch, er sehr cool, die uns direkt bis zum Chalet de la Maline mitnahmen. Wir kannten alle Aussichtspunkte schon, an denen die beiden vorbeirauschten, uns war’s recht. Ganz schön spannend, so ein bisschen Hitchhiking 😉

Wir stärkten uns kurz in unserem Camper (der weder aufgebrochen noch ausgeräumt war), zogen uns frische Klamotten an und entschieden uns, noch ein Stückchen nach Norden zu fahren, also schon Richtung Heimat. Gegen 15:15 fuhren wir los, da hätten wir sonst immer noch am Point Sublime auf das Taxi gewartet.

Am Straßenrand stand irgendwo ein junges Mädchen mit großem Rucksack, wir hielten an und nahmen sie mit. Das war nur fair, nach unseren heutigen Erlebnissen, die Fahrt war unterhaltsam und kurzweilig, wir machten extra einen kleinen Umweg, um sie an ihrem Ziel, in Digne les Bains, abzusetzen. So hatten wir auch unser Karma-Konto ein bisschen aufpoliert.

In Serres erreichten wir mit dem Camping Le Domaine des 2 Soleils unseren Standplatz für die Nacht. Die Sonne schien, leider war’s so windig, dass es uns das Brot vom Teller und die Teller vom Tisch wehte, wir schafften immerhin noch das erste Bierchen draußen, dann verlagerten wir das abendliche Mahl nach drinnen. Ein hübscher Platz mit schöner Aussicht, unter anderen Umständen hätte man dort ein bisschen länger bleiben können. Ein toller Tag ging zu Ende.


Wandertour als Map

Autofahrt als Map


30.05.2019 (Do) – von Frankreich über die Schweiz nach Hause

Campingplatz StartLe Camping Domaine des 2 Soleils, Serres
gefahrene Kilometer825
Wettermeist sonnig

Geplant war, heute möglichst weit in Richtung Heimat zu fahren. Es waren über 800km, es war Himmelfahrt und dadurch recht viel los. Wir schliefen morgens aber erstmal aus und starteten ganz gemütlich. Unterwegs kauften wir Baguette und Croissants, vermutlich das letzte Mal in Frankreich.

Wir überlegten kurz, ob wir eher die Route durch Frankreich (über Lyon) oder über die Schweiz nehmen sollten – entschieden uns dann spontan für die Schweiz, um etwas näher an den Alpen entlang zu kommen.

Es war viel los durch das lange Wochenende, insbesondere viele große Motorradgruppen. Trotzdem kamen wir einigermaßen gut durch, die meisten kamen uns zum Glück entgegen, wollten vermutlich an’s Mittelmeer.

Am Genfer See überlegten wir kurz, noch einen Urlaubstag einzulegen. Andererseits war Eric’s Fahrrad kaputt, wir hatten keinen richtigen Plan und die Befürchtung, wegen des langen Wochenendes nix Gescheites zu finden. Also fuhren wir weiter, und weiter…

Als wir merkten, dass wir es zu einer noch akzeptablen Zeit bis nach Hause schaffen könnten, fuhren wir dann doch die ganze Strecke durch, kurz nach 19:00 kamen wir daheim an.

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So ging nach genau drei Wochen dieser wirklich tolle und unerwartet abwechslungsreiche Urlaub zu Ende.

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