Tag 8 & 9: Vom Torghatten über Kystriksveien (FV17) und Bodø bis auf die Lofoten


01.09.2020 (Di) – Wanderung auf den Torghatten und dann den über Küstenweg den Polarkreis überquert

Campingplatz StartCamping Torghatten, Brønnøysund, Norwegen
Campingplatz ZielBoondocking FV17, Norwegen
gefahrene Kilometer218
Highlights / Wanderungen:- Wanderung auf den Torghatten (ca. 2,5km)
- Kystriksveien
- 4 Fähren auf dem FV17 (auf der letzten den Polarkreis überquert)
Wetterwieder den ganzen Tag sonnig

Heute früh wollten wir die kleine, aber sehr bekannte Wanderung auf den Torghatten machen, deshalb klingelte bereits vor 7 Uhr der Wecker. Nach einem frisch aufgebrühten Kaffee ging es kurz nach 8 Uhr los, der Startpunkt der Tour ist keine 400 Meter vom Campingplatz entfernt. Wir hatten bestes Wetter, so dass wir schon kurz nach dem Start die Jacken in den Rucksack verstauen konnten.

Die Wanderung zum berühmten Loch im Berg ist nicht mal 1km lang – es geht erstmal durch einen lichten Wald bergauf. Wir waren um diese frühe Uhrzeit fast allein unterwegs, das war sehr angenehm. Recht schnell erreicht man die Felswand des Torghatten und kann auch schon das Loch sehen. Wenn man zurück blickte, hatte man eine herrliche Sicht auf die Landschaft.

Das “Loch” im Berg war definitiv viel größer, als wir es erwartet hatten, es handelt sich um eine riesige Höhle, in der Holztreppen nach unten führen. Vom einen Ende kann man das andere Ende schon sehen, über die Treppen und die relativ großen Steine dauert es aber schon einen Moment von einer Seite zur anderen. Die Helligkeitsunterschiede sind natürlich extrem, mit Belichtungsreihen und dann als HDR zusammensetzen, ging es aber ganz gut.

Auch der Ausblick auf der anderen Seite war toll. Was für eine Kombination aus Bergen & Meer!

Eigentlich geht hier noch ein Weg runter, der allerdings nicht ganz ohne sein soll und auch deutlich mehr Zeit beansprucht. Da wir heute noch ein ganzes Stück den Küstenweg nach Norden fahren wollten und auch noch nicht gefrühstückt hatten, entschieden wir uns jedoch, den Rückweg über den Aufstiegsweg zu nehmen.

Zurück am Campingplatz holten wir unser Frühstück nach – es gab Rührei & Toast – sehr lecker. Vor allem war das Wetter perfekt, so dass wir draußen sitzen konnten. Nach dem Frühstück alles zusammengepackt, noch schnell gespült, gedumpt und Frischwasser aufgefüllt, so dass wir gegen 11:15 starteten.  Zunächst ging es die 12km zurück nach Brønnøysund, von dort war es nur ein kleines Stück bis zum Fähranleger – die 2. Fähre auf der FV17, diesmal von Horn nach Andalsvagen. Nach kurzer Wartezeit kam das Schiff – 12 Uhr legte es ab, wieder war es nur eine 20minütige Fahrt.

Wir hatten morgens beim Start als Fernrichtung Bodo (das Ende vom Küstenwegen) eingegeben und waren ganz erstaunt, dass man uns als Zielzeit 19 Uhr eingab. Eigentlich hatten wir für den Kystriksveien 4-5 Tage eingeplant. Ok, die 19 Uhr schafft man wohl nur, wenn man nicht den kompletten Küstenweg mit all seinen Fähren nutzt, sondern irgendwann auf die E6 wechselt. Trotzdem hatte Eric die spontane Idee, “etwas Gas zu geben” auf dem Weg nach oben, um dann noch – auch wenn eigentlich erst fürs Ende der Reise geplant – einen Abstecher über die Lofoten zu nehmen. Übermorgen sollte dort nämlich absolutes Traumwetter sein. Ich hielt das erstmal für eine völlig verrückte Idee – zum einen viel zu ambitioniert, zum anderen warf es die bisherigen Pläne über den Haufen. Andererseits war der Gedanke, bald auf den Lofoten zu sein, noch dazu bei tollem Wetter, schon sehr reizvoll.

So recherchierten wir die Fährzeiten auf dem Küstenweg und rechneten hin und her, ob das überhaupt machbar war. Denn auf die E6 wollten wir nur ungern wechseln, schließlich soll der Küstenweg FV17 eine der schönsten norwegischen Landschaftsrouten sein. Schon die nächste Fähre (also Nr. 3) passte so gar nicht zu unseren Plänen. Die Zeiten waren recht ungünstig, so dass wir anderthalb Stunden Zeit auf dem kleinen Landstück überbrücken mussten. Das schafften wir mit kleinem Zwischenhalt am Meer, Schlendern am Hafen und ein bisschen Gitarre spielen.

Um 14 Uhr fuhr die dritte Fähre in Forvik ab. Diesmal dauerte die Fahrt (nach Tjotta) ca. 1h. Gegen drei Uhr kamen wir also an. 16:10 würde die nächste Fähre in Levang starten. Eigentlich war der ursprüngliche Plan (also noch bis heute früh), hier zwischen Tjotta und Levang irgendwo die Nacht zu verbringen, eventuell am Fuße der berühmten Bergkette “Seven Sisters”.

Uns hatte nun aber der Ehrgeiz gepackt, morgen die Lofoten zu erreichen. Deshalb peilten wir die 16:10 Fähre in Levang an. Das waren 70 Kilometer – das Navi zeigte eine Ankunft von 16:08 voraus. Das war sportlich. :-/ Wir fegten also über den Küstenweg, waren froh über jedes Auto, was vor uns irgendwohin abbog. Nach und nach holten wir ein paar Minuten raus – es schien machbar zu sein. Und tatsächlich, wir erreichten den Fähranleger in Levang wenige Minuten vor der Abfahrt der nächsten Fähre. Die Highlights auf diesem Landstück wurden also nur “im Vorbeifahren” eingesammelt.

Auf der nächsten Fähre blieb man im Auto, die Fahrt dauerte diesmal auch wieder nur 20 oder 30 Minuten. Jetzt konnten wir wieder etwas gemütlicher reisen. Es stand zwar noch eine weitere Fähre auf dem Plan (die vierte am heutigen Tag), aber diesmal hatten wir ausreichend Zeit. Es war nun schon später Nachmittag, unser Auto fing an Schatten zu werfen und die Straßen wurden noch leerer, als sie es ohnehin schon waren. Wir bauten noch einige kleinere Fotostopps ein und erreichten gegen 18:30 Uhr den nächsten Fähranleger in Kilboghamn. Während wir auf das Schiff warteten, gab es ein schnelles Abendessen im Camper – geräucherter Lachs mit Knäckebrot – also ganz skandinavisch…

Die nächste Fährfahrt war ein richtiges Highlight!  Die Sonne stand schon tief am Himmel und tauchte die Landschaft in ein tolles Licht. Auch wenn es merklich abgekühlt hatte, verbrachten wir einen großen Teil der Fahrt draußen (im Gegensatz zu fast allen anderen Passagieren). Nach ca. der Hälfte der knapp 1,5stündigen Fahrt überquerten wir den Polarkreis. Am Ufer war eine kleine Statue in Form einer Weltkugel.

Angekommen in Jetvik war klar, dass wir uns nun einen Übernachtungsplatz suchen würden. Offizielle Camping- oder Stellplätze gab es auf diesem Landstück allerdings nicht. Dank der App “Park4Night” fanden wir trotzdem einen richtig schönen Übernachtungsplatz – das war ein Picknickplatz neben der Straße mit herrlichem Blick auf Wasser und Berge. Auf der Straße war fast nichts mehr los – kein Wunder, da man dieses Straßenstück nur per Fähre erreichen kann.

Wir hofften auf Polarlicht – der Platz dafür wäre perfekt gewesen. Wir glaubten auch am Himmel Schleier ausmachen zu können, die wie Nordlicht aussahen, allerdings war es zu hell – es war einfach noch zu früh im Jahr. Später daheim, als wir unsere Bilder “entwickelten”, sahen wir, dass es tatsächlich ganz leichtes grünes Licht am Himmel gegeben hatte.

Was für ein aufregender Tag. Als wir am späten Vormittag nach der Wanderung entspannt auf dem Torghatten Campingplatz gefrühstückt hatten, hätten wir nicht im Ansatz geahnt, wie weit nördlich wir unser Nachtlager aufschlagen würden. Jetzt war klar, dass wir es morgen gut auf die Lofoten schaffen können. Denn uns trennte nur noch eine weitere Fähre und ca. 180km von Bodo. Und so buchten wir spät am Abend die Fähre Bodø-Moskenes für den nächsten Nachmittag (wie gut, dass man in Norwegen selbst in den entlegensten Ecken mobiles Netz hat 🙂 ).

unser Tagestour als Map:

 


02.09.2020 (Mi) – Über den Küstenweg bis nach Bodø und dann per Fähre auf die Lofoten

Campingplatz StartBoondocking FV17, Norwegen
Campingplatz ZielLofoten Beach Camp Skagsanden, Norwegen
gefahrene Kilometer215
Highlights:- Kystriksveien bis Bodø
- 1 letzte Fähre auf dem FV17
- Svartisen Gletscher
- Saltstraumen
- Fähre Bodø-Moskenes (Lofoten)
Wetterbis Bodø sehr sonnig, auf den Lofoten bewölkt, vereinzelte Schauer

Heute mussten wir schon recht früh aufstehen, denn wir wollten gegen 6:45 starten, um die Fähre in Ågskardet um 7:40 Uhr zu erreichen. Das war die letzte der sechs Fähren des Küstenwegs FV17. Um diese frühe Uhrzeit war nicht viel los. Die Wartezeit auf’s Schiff überbrückte ich, Ulli mit Kaffeekochen und Eric mit Fotografieren.

In Forøy angekommen, starteten wir nun also die letzte Landstrecke des Kystriksveien. Ca. 175km lagen vor uns, gespickt mit einigen Highlights, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Bereits nach 15 Minuten erreichten wir einen Parkplatz, von dem aus man einen herrlichen Blick auf den Svartisen Gletscher hat. Im Sommer kann man von hier aus sogar Bootstouren unternehmen, um näher an den Gletscher heran zu kommen. Jetzt außerhalb der Saison war das nur noch an Wochenenden möglich. Aber auch von hier konnte man den Gletscher schon gut bestaunen und so gönnten wir uns eine ausgiebige Fotopause.

Weiter ging die Fahrt, zunächst entlang des Gletschers, anschließend durch immer wieder beeindruckende Küsten- und Berglandschaft. Weitere kleine Stopps machten wir am Ureddplassen, ein Rastplatz mit einer ganz besonderen Toilette und dann noch am Storvika, ein weiterer schön gelegener Picknickplatz.

Gegen 12 Uhr erreichten wir den Saltstraumen, ca. 30km südlich von Bodo. Der Saltstraumen gilt als größter Gezeitenstrom der Welt. Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Saltfjord am Meer und dem Skjerstadfjord im Inland hin und her. Der Strom erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h, an seinem Rand entstehen gewaltige Strudel. Sie können einen Durchmesser bis zu zehn Metern erreichen und mehr als vier Meter in die Tiefe reichen. (Quelle: Wikipedia)

Wir parkten den Camper unter der großen Saltstraumen-Brücke und liefen nach oben, um von der Mitte der Brücke das Naturschauspiel zu fotografieren.

Gegen 13:00 kamen wir dann in Bodo am Fährhafen an. Wir hatten noch über zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt. Da wir bereits vorgebucht hatten, konnten wir uns ganz rechts in die kurze Schlange einordnen. Die anderen Spuren für die Leute ohne Ticket waren recht voll.

Wir überbrückten die Zeit mit einem kleinen Hafenrundgang – gerade legte ein Hurtigrouten-Schiff an. Außerdem brieten wir schon mal vorsorglich das Hackfleisch fürs heutige Abendessen durch, denn auf der Fähre muss der Gashahn zugedreht werden und damit ist der Kühlschrank aus.

Direkt hinter den Motorrädern wurden wir ganz früh auf die große Fähre gewunken, schon eine Stunde vor Abfahrt. Wir hatten das Gefühl, dass die Fähre am Ende komplett voll war, vor allem durch sehr viele LKW’s. Die Anzahl der Camper hingegen war recht überschaubar – da spürte man wieder, dass nur noch wenige ausländische Touristen in diesem Coronaherbst in Norwegen unterwegs waren.

Auf der Fähre suchten wir uns Plätze im Inneren mit möglichst viel Platz zum Nachbarn (wegen Corona), gönnten uns eine Kleinigkeit zu essen und dösten so vor uns hin. Über 3 Stunden dauerte die Überfahrt – man konnte von Beginn an die Lofoten in der Ferne sehen. Immer näher rückten sie an uns heran. Das war schon schön anzusehen (auch wenn unsere Anreise per Flug im Winter 2019 von Bodo nach Leknes noch deutlich spektakulärer Blicke bot).

Gegen 18:30 kamen wir in Moskenes an und die Auto- und LKW-Lawine ergoss sich über die Inselgruppe, zum Glück waren wir ganz vorn dabei. Wir hatten uns schon vorab entschieden, den Campingplatz in Flakstad anzupeilen. Da es schon recht spät war, das Wetter eher durchwachsen und hinter uns die Blechlawine folgte, entschieden wir uns, ohne Stopp bis an den Skagsanden Beach nach Flakstad durchzufahren.

Wir kamen an vielen bekannten Stellen vorbei – gerade den Süden der Lofoten hatten wir ja ausgiebig auf unserer Wintertour 2019 erkundet.

Gegen 19:30 Uhr kamen wir am Skagsanden Beach Camping an und wurden an der Rezeption sehr freundlich empfangen. Da wir keinen Strom brauchten, konnten wir uns irgendwo auf den Dünen einen freien Platz aussuchen. Kaum hatten wir unser Nachlager aufgeschlagen, pilgerten wir erstmal mit einem kühlen Getränk an den Strand. Das war ein tolles Gefühl, dass wir nun mit unserem eigenen Camper so weit oben im Norden waren.

Nach dem Essen liefen wir nochmal runter an den Strand und fotografierten den Sonnenuntergang. Auch wenn die letzten zwei Tage etwas ambitioniert und vollgepackt waren, waren wir jetzt echt happy, dass wir Gas gegeben hatten, um diesen kleinen Abstecher auf die Lofoten einzubauen.

unser Tagestour als Map:


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2 Kommentare

  1. Servus Ulli und Eric,

    da hattet ihr ja prima Wetter entlang der RV17. So macht Norwegen richtig Spaß.

    Liebe Grüße, Micha

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