Tag 6 & 7: Von Trondheim über den Kystriksveien (FV17) bis nach Brønnøysund


30.08.2020 (So) – Stadtbummel in Trondheim und weiter auf den Kystriksveien FV17

Campingplatz StartFlakk Camping, Trondheim, Norwegen
Campingplatz ZielBoondocking FV17, Norwegen
gefahrene Kilometer252
Highlights:Stadtbesichtigung Trondheim
Wettermorgens Regen, danach sonnig

Nach dem Ärger mit dem Reifen gestern, wollten wir den Tag heute etwas entspannter angehen lassen. Außerdem regnete es am Morgen, im Laufe des Tages sollte es besser werden. Also kein Grund zur Eile.

Gegen 10 Uhr starteten wir am Campingplatz und fuhren nach Trondheim. Die Straße führte am Trondheimfjord entlang. Sowohl auf dem Weg als auch in Trondheim selbst war es angenehm ruhig auf den Straßen – es war Sonntag. Irgendwo hatten wir gelesen, dass es nicht so leicht ist, mit dem Camper im Stadtzentrum zu parken. Deshalb steuerten wir direkt den Wohnmobilstellplatz in Hafennähe an. Der Platz war gut belegt, vor allem mit norwegischen Campern, aber es war kein Problem, noch eine Parklücke für unseren Vantourer zu finden. Man kann hier ein Parkticket auch nur für wenige Stunden lösen. Der Fußweg von hier bis zum Zentrum ist überschaubar – es waren keine 15 Minuten bis an die Ostseite des Zentrums, also wirklich praktisch gelegen für einen Besuch der Stadt. Bereits auf diesem kleinen Stück in die Stadt waren wir beeindruckt wie gut und selbstverständlich hier der Verkehrsraum zwischen Autos, Fahrrädern und Fussgänger aufgeteilt und getrennt war. Davon kann man in Deutschland als Radfahrer nur träumen…

Wir schauten uns zunächst das Hafenviertel an.

Später schlenderten wir weiter und überquerten den Fluss Nidelv, von dessen Brücke man die berühmten bunten Holzhäuser sehen kann. Herrlich anzusehen diese Häuser, die sich so wunderbar im Wasser spiegelten. Von dort aus liefen wir durch die kleinen netten Gassen des Bakklandet-Viertel weiter bis zum bekannten Nidarosdom. Diesen konnten wir allerdings nur von außen bestaunen, da innen gerade ein Gottesdienst stattfand.

Das Wetter zeigte sich auch von seiner guten Seite – und so erkundeten wir diese wirklich schöne Stadt an diesem Sonntag. Es gefiel uns ausgesprochen gut hier – sicher auch eine Stadt, in der es sich gut leben lässt.

Im Bakklandet-Viertel suchten wir uns irgendwann ein kleines Cafe, kauften uns zwei Latte Macchiato, Shrimpsbrötchen und hinterher Zimtschnecken, was wir in der warmen Mittagssonne auf einer Bank verspeisten. Wir beobachten das fröhliche und bunte Treiben. Abgesehen von kleinen Warnschildern im Cafe spürte man hier fast nichts von der Coronakrise.

Gegen 14:00 Uhr waren wieder am Parkplatz zurück und machten uns auf den weiteren Weg nach Norden. Kurz hinter Trondheim suchten wir uns noch schnell eine Tankstelle, füllten ausreichend Luft in den gestern montierten Ersatzreifen (wir waren ja gerade mit drei Winter- und einem Sommerreifen unterwegs…) tankten nochmal voll, dann ging es zurück auf die E6.

Wir wollten mindestens bis Steinkjer kommen, hatten den Gedanken, uns dort am Folgetag eine Reifenwerkstatt zu suchen. Als wir gegen 16 Uhr in Steinkjer waren, entschieden wir dann aber, nach einer kurzen Kaffeepause (selbst gebrühter Kaffee im Camper!), weiterzufahren und den Reifenstopp lieber in Bronnoysund zu erledigen. Wir wollten einfach noch ein Stück vorankommen, um möglichst bald den Kystriksveien (FV17), angeblich eine der schönsten norwegischen Landschaftsrouten, zu erreichen.

Am späten Nachmittag sahen wir auf der E6 ein Hinweisschild für den “Formofossen”, einen Wasserfall. Laut unserem Reiseführer sollte der kurze Abstecher durchaus lohnenswert sein. Also warum nicht – wir bogen ab.

Nur wenige km von der E6 entfernt, stellten wir unseren Camper ab und liefen zu der kleinen Brücke, die über den Wasserfall führte. Man schaut von oben auf’s Wasser runter. Da war schon recht sehenswert, aber wir fragten uns, ob man nicht auch runter an den Wasserfall kann und ihn dann aus einer besseren Perspektive fotografieren könnte.

Dafür musste man erst einen Feldweg entlang und dann recht steil durch ein kleines dicht bewachsenes Waldstück bergab. Mittlerweile hatte auch mal wieder Regen eingesetzt, entsprechend rutschig war der Weg. Vorsichtig kämpften wir uns voran und erreichten irgendwann große glatte Felsen am Wasser. Die Kombination aus Regen und glatten Felsen begeisterte mich nur mäßig, ich beobachtete das Schauspiel lieber aus der Ferne. Eric kämpfte sich aber mit Kamera und Stativ näher ans Wasser ran. Die Fotoausbeute war am Ende dann aber doch nur recht mäßig – gegen die Sonne zu fotografieren, wenn ständig neue Regentropfen auf dem Objektiv landen, machte das Fotografieren nicht gerade einfach.

Immerhin wurden wir beim Weg nach oben mit tollen Regenbogen belohnt.

Kurz überlegten wir, ob wir uns hier ein Boondockingplätzchen suchen sollten, entschieden uns dann aber doch fürs Weiterfahren.

Nach einem weiteren kurzen Stück auf der E6 bogen wir bei Gartland in westliche Richtung ab und erreichten wenig später den FV17. Über die App Campercontact hatte ich einen Übernachtungsplatz am Grungstadvatnet, also direkt an einem kleinen See, entdeckt, der vielversprechend klang. Auch wenn der Platz nicht ganz leicht zu finden war (wir fuhren einmal dran vorbei und fast ein zweites Mal, weil er hinter einer Waldbaustelle versteckt war), schlugen wir hier gegen 19 Uhr unser Nachtlager auf. Außer uns war noch ein holländischer VW-Bus hier, der auch schon ein kleines Lagerfeuer angezündet hatte.

Wir genossen die letzten Sonnenstrahlen, kochten uns nebenbei ein paar Nudeln… Zum Draußen-Essen war es leider zu kalt, es hätte sogar eine schöne Picknickbank&Tisch gegeben.

Wir waren froh, in den wenigen Tagen schon so weit nach Norden vorangekommen zu sein. Für die nächsten Tage war bestes Wetter angesagt – perfekt für die anstehenden Tage auf dem Küstenweg FV17.

Es war toll, solch einen Übernachtungsplatz in der Natur zu haben. Unser “Schlafzimmerfenster” zeigte auf den See hinaus. Als wir nach 11 ins Bett gingen, war es noch nicht richtig dunkel.

Irgendwann in der Nacht wachte ich auf und schaute aus dem Fenster. Ich war mir nicht sicher, aber ich hatte das Gefühl, dass am Himmel Schleier zu sehen waren. Waren das etwa Nordlichter? Ich weckte Eric, er wollte es erst nicht glauben, machte dann aber doch ein Testfoto mit längerer Belichtung. Und tatsächlich, der Himmel war ganz leicht von grünem Licht überzogen. Ruckzuck sprang Eric in seine Klamotten und hatte die Fotoausrüstung parat. Obwohl, so schnell ging es nicht. Da wir nicht wirklich damit gerechnet hatten, fehlte die Routine und man musste erstmal alles zusammenkramen – Stativ, Stirnlampe, Mütze, richtiges Objektiv etc…

Ich, Ulli, konnte mich nicht aufraffen, aufzustehen. Schließlich konnte ich den Himmel auch bestens vom Bett aus beobachten.

Jetzt, Ende August, gibt es so weit im Norden noch keine astronomische Dämmerung, d.h. es wird in der Nacht überhaupt nicht richtig dunkel. Aber es reichte trotzdem aus, um unser erstes Polarlicht im Urlaub zu fotografieren. Allerdings wurde es bereits schon gegen 03:00 Uhr wieder langsam hell.

unser Tagestour als Map:

 


31.08.2020 (Mo) – Weiter auf den Kystriksveien nach Bronnøysund

Campingplatz StartBoondocking FV17, Norwegen
Campingplatz ZielCamping Torghatten, Brønnøysund, Norwegen
gefahrene Kilometer170
Highlights:Kystriksveien
1. Fähre Holm-Vennesund
Radtour zwischen Torghatten und Bronnøysund
Wetterden ganzen Tag sonnig

Nachdem wir wegen der Nordlichter in der Nacht doch ganz schön aktiv waren, ließen wir es am Morgen gemütlich angehen. Der Platz gefiel uns auch noch am nächsten Morgen ausgesprochen gut.

Wir machten uns gegen 09:15 auf den Weg. Heute stand keine große Strecke auf dem Plan, denn wir waren die letzten Tage gut voran gekommen und hatten es ja bereits bis auf den Küstenweg FV17 geschafft. Unser Tagesziel war der Torghatten Campingplatz. Zuvor planten wir einen Stopp in Brønnøysund ein, in der Hoffnung, hier unseren kaputten Autoreifen reparieren zu lassen.

Zunächst genossen wir aber die Fahrt auf dem FV17 – auch wenn wir noch nicht an der Küste waren, war die Strecke richtig schön und sehr abwechslungsreich. Im Gegensatz zur E6 war es hier auch ziemlich leer.

Nach ca. 100km erreichten wir unsere erste Fähre. Insgesamt gibt es auf dieser Landschaftsroute zwischen Namsos im Süden und Bodø im Norden sechs Fähren, die man zwingend nehmen muss. Diese fahren ca. alle 1-2 Stunden. Wenn man es eilig hat auf dem Weg in den Norden, nimmt man also besser die E6. Wenn man allerdings etwas Zeit mitbringt und dann noch – so wie wir – eine gute Wettervorhersage hat, lohnt sich diese entschleunigte Strecke in Küstennähe auf jeden Fall.

Wir hatten Glück, dass wir kurz vor 11 Uhr den Fähranleger in Holm erreichten, fast zeitgleich mit der Fähre. Das ersparte uns die Wartezeit. Viel war auch nicht los – man merkte, dass wir in der Nachsaison waren und durch Corona deutlich weniger Touristen als üblich unterwegs waren.

Die Fähre brachte uns in knapp 20 Minuten hinüber nach Vennesund. Von hier ging es nah an der Küste entlang weitere 50 Kilometer, bis wir das Städtchen Brønnøysund erreichten. Nach einiger Sucherei fanden wir im Gewerbegebiet auch eine Autowerkstatt, die bereit war, unseren Reifen zu flicken. Mehr oder weniger geduldig warteten wir über eine Stunde, bis man sich unseres Reifenproblems annahm. Dann aber wurde der Reifen geflickt und weil wir so lang warten mussten, war die Reparatur kostenlos. Dafür gab es dann ein dickes Trinkgeld in die Kaffeekasse und nach einem schnellen Stopp im Supermarkt setzten wir gegen 14 Uhr endlich unsere Fahrt zum ca. 12km entfernten Torghatten Campingplatz fort.

Heute war bestes Wetter, deshalb war es etwas schade, dass wir so viel Zeit in der Werkstatt verbrachten, aber immerhin war jetzt der kaputte Reifen geflickt. Da man allerdings keine Zeit hatte, die Reifen auch zu wechseln, schnallten wir den geflickten Reifen erstmal wieder unters Auto und waren immer noch mit unserer Kombi 3xWinter & 1xSommerreifen am Start.

Der Campingplatz liegt direkt am berühmten Torghatten, dem Berg mit dem sehenswerten Loch. Das Wetter war toll, strahlender Sonnenschein, auch wenn man ab und zu eine dunkle Wolke sah. Der Campingplatz war relativ voll und auch kein Schnäppchen, mit dem Boondocking-Platz vom Vorabend konnte er nicht so ganz mithalten.

Wir nutzten das Wetter für eine schöne Radtour, radelten gemeinsam nochmal zurück nach Bronnoysund, genauer gesagt bis zu dieser imposanten Brücke bei Bronnoysund. Mit dem Camper waren wir ja nur drüber gefahren, also wollten wir sie nochmal in Ruhe anschauen, auf der Straße war auch nicht viel los, so dass man gut radeln konnte.

Schon auf dem Weg nach Bronnoysund fanden wir ein paar hübsche Fotomotive, die Brücke selbst mit dem drunterliegenden Fjord machte auch was her. In Bronnoysund hatte ein Hurtigruten-Schiff angelegt, wir überlegten, wann das Schiff wohl ablegen und unter der Brücke hindurch seine Reise fortsetzen würde.

Wir teilten uns auf, Ulli wollte gemütlich zurückradeln, ich wollte noch ein bisschen um die Brücke rum fotografieren, auch mal auf der Bronnoysund-Seite runterradeln. Ich war grad runtergeradelt, als das Hurtigruten-Schiff seine Abfahrt verkündete, also schnell wieder hoch auf die Brücke, das Schiff war wirklich fotogen. Das Licht wurde auch immer besser, irgendwann war’s aber genug mit Fotografieren und es ging zurück zum Campingplatz. Eine wirklich schöne Radel-Runde, Ulli hatte das Hurtigruten-Schiff auf dem Weg zum Campingplatz knapp verpasst, war aber froh, dass mir ein paar Fotos gelungen waren.

Tagsüber hatten wir schon überlegt, ob’s wohl nochmal eine Chance auf Nordlicht geben würde, der Campingplatz war teilweise schon ziemlich hell beleuchtet. Abends machten wir uns mit Stativ nochmal auf den Weg, von Nordlichtern war allerdings nix zu sehen. Dafür ging der Mond auf, was die Nacht noch heller machte, aber auch der Mond gab ein ganz gutes Motiv ab.

unser Tagestour als Map:


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5 Kommentare

  1. Servus ihr Zwei,

    “Reifenstopp lieber in Bronnoysund zu erledigen”
    Da bin ich mal gespannt wie diese Geschichte ausging. In den 2000er Jahren hätte ich 4 Tage in Schweden auf einen VW-Bus Reifen warten müssen. Haben den alten Reifen dann flicken lassen und sind mit einem schlechten Bauchgefühl weiter gefahren.

    Das 3. Polarlichtfoto gefällt mir richtig gut. Was für Objektive habt Ihr denn speziell dafür?

    Liebe Grüße
    Micha

    • Hallo Micha,
      ich war mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, was die bessere Wahl ist für die Weiterfahrt – geflickter Winterreifen oder Sommerersatzreifen… Zum Glück denkt man beim Fahren irgendwann nicht mehr darüber nach und wir sind ja auch weider heil nach Hause gekommen 🙂

      Für die Polarlichter haben wir recht lichtstarke Objektive. Zum einen eine 12mm Festbrennweite (Systemkamera) mit Blende F2. Eric hat dafür aber glaube ich ein Objektiv mit F1.4 oder F1.8 genutzt.

      Liebe Grüße, Ulli

  2. “Dann aber wurde der Reifen geflickt”

    Ah, o.k.

  3. Hi,
    das sind doch schon mal wunderbare erste Nordlichter. Der Übernachtungsplatz hätte uns auch gefallen. Hach, ich könnte sofort wieder losfahren. Habe gerade starkes Fernweh….
    Liebe Grüße

    • Liebe Sonja,

      oh ja, das Fernwehgefühl kenne ich, kommt bei mir auch sofort auf, wenn ich am Reisebericht schreibe. Gerade in den jetzigen Zeiten… Hoffen wir mal drauf, dass nächstes Jahr wieder die eine oder andere schöne Reise möglich sein wird.
      Liebe Grüße, Ulli

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